„Atelier-Café Ellerbek“ – Konzept

Ziel des Projektes ist es, 20 Menschen mit psychischer Behinderung  Tagesstruktur und Beschäftigung in einem Stadtteil-Café und einem angrenzenden Atelier anzubieten. Das„Atelier-Café Ellerbek“ ist zugleich ein Stützpunkt, in dem Menschen mit Behinderung, die im Stadtteil leben und/oder in den nächsten Jahren dort hinziehen werden, Hilfen und  Unterstützungsangebote abrufen können.
Im Fokus dieser sozialräumlichen Orientierung steht die in der UN-Konvention formulierte Prämisse, dass Menschen mit Behinderung nicht verpflichtet werden können, in bestimmten Einrichtungen zu leben, sondern bedarfsgerecht in ihrem Lebensumfeld unterstützt werden müssen und Zugang zu allen Diensten und Einrichtungen in ihrem  Lebensumfeld haben sollen.
Das „Atelier-Café Ellerbek“ richtet sich mit vielen Angeboten an alle Menschen, die im Stadtteil leben und setzt somit ein Stück klassischer Gemeinwesenarbeit mit dem Ziel um, den Stadtteil weiter zu beleben und für die Bürger_innen vor Ort attraktiv zu gestalten.
An der Konzeption und Umsetzung dieses Projektes sind die Wohnungsbaugenossenschaft Kiel Ost eG; die Landeshauptstadt Kiel mit dem Amt für Soziale Dienste/Eingliederungshilfe und die Gemeinnützige Gesellschaft für Soziale Hilfen in Norddeutschland/KJSH-Stiftung eteiligt.

Das „Atelier-Café Ellerbek“ – das Arbeits- und Beschäftigungsprojekt

Im „Café Vielfalt“ und in dem angrenzenden „Atelier Freistil“ können bis zu 20 Menschen mit Behinderung die Möglichkeiten einer sinnstiftenden Tätigkeit und Tagesstruktur in der Küche, im Service, im Catering oder im kunsthandwerklichen Bereich erhalten.
Zudem gibt es einen kleinen „Draußen-Arbeitsbereich“: die Pflege und Gestaltung des sogenannten Brunnenbeetes und des Café Vorplatzes, die dem Projekt im Rahmen eines Patenschaftsvertrages von der Landeshauptstadt Kiel übertragen wurde.
Die Beschäftigten können flexibel, nach Neigungen und „Tagesform“ in den jeweiligen Bereichen tätig sein – entsprechende Tages-, Wochen- und Monatspläne stellen sicher, dass alle Bereiche bedient werden und der Betrieb nach außen gewährleistet ist. Teilzeitbeschäftigung und Teilzeittagesstruktur sind selbstverständlich möglich.
Die Beschäftigten werden von sozialpädagogischen Fachkräften und in den einzelnen Gewerken durch fachliche Anleiter_innen unterstützt und begleitet.
Es ist ein Ort für Menschen mit Behinderung entstanden, der mitten im Gemeinwesen angesiedelt ist und sicherstellt, dass sich Menschen mit und ohne Behinderung begegnen und ganz ungezwungen miteinander in Kontakt kommen. Menschen mit Behinderung leisten hierbei einen wertvollen Beitrag für das Gemeinwesen. Diese Begegnung trägt dazu bei, dass Vorurteile und Barrieren in den Köpfen der Menschen abgebaut werden. Inklusion wird gelebt.

Das „Atelier-Café Ellerbek“ – sozialräumliche Hilfen für Menschen mit Behinderung

Im „Café Vielfalt“ wird Menschen mit Behinderung ein barrierefreies Unterstützungs- und Beratungsangebot direkt in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld vorgehalten.
Individuelle Hilfen vor Ort, die von gut vernetzten Leistungserbringern angeboten werden, tragen dazu bei, dass Menschen mit Behinderung so selbstbestimmt und autonom wie möglich in ihren eigenen Wohnungen leben können. Hierbei geht es darum, neue, bedarfsgerechte Angebote im unmittelbaren Lebensumfeld der Menschen mit Behinderung zu entwickeln. Es geht auch darum, das Gemeinwesen – z.B. in Form von
ehrenamtlicher Tätigkeit, Nachbarschaftshilfe, Patenschaften etc. – zu mobilisieren. Und es geht darum, Zugänge zu neuen Hilfeformen zu entwickeln, die mittelfristig dazu führen werden, dass vorhandene Regelangebote durch sozialräumliche Angebote abgelöst werden.

Beispiele für mögliche Angebote für Menschen mit Behinderung aus dem Stadtteil:
– Stützpunkt für Ambulante Hilfen „und mehr“

– Einbindung in Tagesstruktur und Beschäftigung

– Entlastende Gespräche und weiterführende Beratung in Krisensituationen

– Offene Gruppenangebote

– Angehörigenhilfe (Beratung und Selbsthilfe)

– Selbsthilfegruppen

– Unterstützung und Beraten bei Behörden- und Ämterangelegenheiten ggf. Begleitung

– Beratung und Unterstützung bei der Suche/ Übernahme einer individuell geeigneten ehrenamtlichen Tätigkeit (auch im „Atelier-Café-Ellerbek“)

– Beratung und Unterstützung bei Wohnungsfragen

– Beratung und Unterstützung bei Konflikten und Krisen im Wohnumfeld

Das „Café Vielfalt“ – ein Ort der Begegnung – ein Bürgertreff „mittendrin“

Die alte Ladenzeile Julius-Brecht-Straße mit ihrem großen Vorplatz befindet sich im Zentrum des alten gewachsenen Stadtteils in Ellerbek. In der nahen Nachbarschaft leben rund 1.500 Menschen überwiegend in  Mietwohnungen der WBGO. Hier ist in und um das „Café Vielfalt“ ein lebendiger Ort der Begegnung für die Menschen aus dem  Stadtteil entstanden.

Vielfalt ist erwünscht! – Inklusion ist Lebensqualität!

Das „Café Vielfalt“ trägt zu einem Mehr an bürgerschaftlichem Miteinander bei. Hier können sich junge und alte Menschen, Menschen mit und ohne Behinderung in einem gemütlichen Café ganz selbstverständlich begegnen, verschiedene Angebote nutzen, sich aktiv in die Gestaltung ihres Stadtteils einbringen, sich beraten lassen oder konkrete Hilfen erhalten, wenn sie das möchten.

Kulturelle Veranstaltungen, soziale und beratende Angebote – praktische Lebenshilfen vor Ort werden hier mit und für die Menschen im Gemeinwesen entwickelt und umgesetzt. Bereits während der Gründungs- und Aufbauphase wurden die künftigen Nutzer_innen in die Planung und Ausgestaltung des Projektes mit einbezogen. Teilhabe ist erwünscht – Mitbestimmung ist ein elementares Ziel. Dies gilt selbstverständlich auch für soziale Dienstleister, Bürgerinitiativen und Vereine aus dem Umfeld – wir wünschen uns Kooperation! Nur gemeinsam lassen sich vielfältige Angebote und Möglichkeiten schaffen, die den Bedarfen und Interessen möglichst vieler Menschen aus dem Stadtteil gerecht werden und dazu beitragen, Inklusion zu leben und zu erleben.

Das „Café Vielfalt“ und der Vorplatz – ein Ort der Begegnung für alle

Der Betrieb eines barrierefreien Cafés im Rahmen eines Arbeits- und
Beschäftigungsprojektes für Menschen mit Behinderung bildet das Zentrum des Geschehens. Die kostengünstigen Frühstücks- und Mittagsangebote in freundlicher und angenehmer Atmosphäre im Café und auf dem Platz (Straßencafé) dienen hier zunächst als „Türöffner“, um möglichst viele Menschen aus dem Stadtteil zu erreichen und
„Schwellenängste“ abzubauen.
Durch die gemeinsame Gestaltung des Vorplatzes und der Grünanlagen im stillgelegten Brunnen ist ein Begegnungsraum geschaffen worden. Auch hier finden unterschiedliche Veranstaltungen (z.B. Flohmärkte, Tauschbörse, Bürger- und Kinderfeste) statt. Der ehemals belebte und den Ellerbeker Bürger_innen gut bekannte Platz ist so wieder zum Leben erweckt und als sozialer Treffpunkt neu etabliert worden.

Das „Café Vielfalt“ – ein Ort der Begegnung + Beratung

Das „Café Vielfalt“ ist im weitesten Sinne ein Stadtteilprojekt. Die Nutzung der Räumlichkeiten für beispielsweise private Veranstaltungen ist ausdrücklich erwünscht. Hier können sich Vereine und Initiativen treffen.
Um möglichst viele Bürger_innen mit ihren unterschiedlichen Lebenssituationen und Bedarfen zu erreichen, ist die Vernetzung von unterschiedlichen Angeboten und die Kooperation unterschiedlicher „Anbieter“ vor Ort ein elementarer Bestandteil des Stadtteilprojektes. Das „Café Vielfalt“ darf auch gern für Angebote von anderen Institutionen genutzt werden.

Das „Atelier-Café Ellerbek“ – ein Kooperations- und Vernetzungsprojekt

Wir sind ein inklusives Stadtteilprojekt – ein Projekt für Menschen mit und ohne Behinderung – wir halten Angebote für alte und junge Menschen, mit und ohne Migrationshintergrund – also für die Menschen, die im Stadtteil leben, vor. Dieses Projekt kann nur in enger Kooperation mit der WBGO, dem Amt für Wohn- und Grundsicherung, der Leitstelle Älter werden und vielen anderen Einrichtungen, Vereinen und Verbänden gelingen. Ohne Vernetzung geht’s nicht! Es geht also auch darum Ressourcen zu erschließen und wichtige Akteure aus dem Stadtteil an einen Tisch zu bringen.